Orchideen der Berge, 01.07.18

Der Sommer ist die Zeit für Kohlröschen und Co. Wie jedes Jahr kann ich diese Zeit kaum erwarten, denn neben den Orchideen ist jede Wanderung allein aufgrund der beeindruckenden Panoramen ein Highlight für sich! Einige Tage mitten in den bunten Bergwiesen erleben zu können ist schon ein Privileg. Wie auch schon in den vergangenen Jahren ist es alles andere als einfach, den optimalen Blühzeitpunkt zu erraten. Auch die Aufzeichnungen der Literatur sind lediglich als Anhaltspunkt zu betrachten, denn der Zeitpunkt der Blüte wird immer früher im Jahr erreicht. Eine besonders schöne zweier Gruppe vom Mannsknabenkraut (Orchis mascula ssp. speciosa) präsentierte sich im Licht der aufgehenden Sonne. Einzelne Pflanzen vom zweifarbigen Kohlröschen (Nigritella bicolor) und vom Steineralpen Kohlröschen (Nigritella lithopolitanica) konnten im wundervollen Umfeld der bunten Bergflora abgelichtet werden. Um das österreichische Kohlröschen (Nigritella austriaca) zu fotografieren, mußte ich mal wieder in den Osten ... und war wieder mal sehr knapp drann. Erstmals haben wir auch einen Standort vom Steiermark-Kohlröschen (Nigritella stiriaca) in Salzburg aufgesucht. Das "Bergerlebnis" bekommt hier, inmitten vom Massentourismus, jedoch eine völlig andere, für mich abschreckende Bedeutung. Etwas später blühen auch das gewöhnliche oder schwarze Kohlröschen (Nigritella rhellicani) und deren Hybriden (natürliche Kreuzungen unterschiedlicher Arten). Mit viel Glück findet man auch mal beide Orchideen dicht nebeneinander, wie in diesem Fall mit einer xGymnigritella heufleri, der Kreuzung aus wohlriechender Händelwurz und dem gewöhnlichen Kohlröschen. Einige der außergewöhnlichen Hybriden vom Vorjahr konnten heuer leider nicht mehr aufgefunden werden. Eine ganz besondere Rarität, eine weiße xGymnigritella suaveolens (Mücken-Händelwurz fo. albescens x gewöhnliches oder schwarzes Kohlröschen fo. albiflora) konnte erfreulicherweise aber auch heuer wieder gesichtet und in sehr schönem Zustand fotografiert werden ... das der Standort auch aus fotografischer Sicht ideal ist und nur wenige Zentimeter dahinter ein gewöhnliches Kohlröschen den Bildaufbau aufwertet, ist einfach nur Glück!

Voraussichtlich zum letzten mal für die heurige Orchideensaison konnte ich zwei wundervolle Tage auf den bunten Bergwiesen verbringen und wieder einmal waren es zwei anstrengende, aber auch sehr erfolgreiche Tage. So beginne ich diesen Bildbeitrag mit derselben Hybride (xGymnigritella suaveolens), mit der ich den letzten Bildblock beendet habe, diesmal jedoch in der normalen Färbung. Auch in diesem Jahr fanden wir diese Hybride in beachtlicher Anzahl und vielfach noch in sehr schönem Zustand. Unter den unzähligen schwarzen oder gewöhnlichen Kohlröschen konnten vereinzelt auch Farbformen festgestellt werden. Da viele weitere Blumen der Almwiesen in Blüte stehen, ergeben sich auch immer wieder stimmungsvolle Ansichten in Verbindung mit den Orchideen. Vor lauter Motive kommt man kaum vom Platz, ehrlicherweise tut es aber auch gut, das Gewicht vom Fotorucksack eine Zeit lang nicht tragen zu müssen. Mit einer wundervollen Dreiergruppe der Hybride xPseuditella micrantha (Höswurz x gewöhnliches Kohlröschen) hätte ich mich zu gerne noch länger beschäftigt. Angesichts des nahen Donnergrollens bestand jedoch ein "klein wenig Druck", möglichst schnell von den freien Almflächen zu kommen. Die zwei seit Jahren bekannten Pflanzen der überaus seltenen Hybride xDactylitella berninaensis, zwischen dem breitblättrigen Knabenkraut (in der Alpinform) und dem gewöhnlichen Kohlröschen, konnten im aktuellen Jahr leider nicht mehr festgestellt werden. Zu meiner großen Freude konnte ich aber eine weitere Pflanze am selben Berg, jedoch an einem völlig anderen Platz finden. Äußerst interessant empfand ich auch einige abnorme Pflanzen der Mücken-Händelwurz, die an mehreren, sehr feuchten Stellen gesichtet wurden. Sie alle haben grün-weiße (oft mit sehr feinem, kleinflächigen Rotanteil) nach oben gerichtete Blüten, die sich nur teilweise (manchmal auch gar nicht) öffnen sowie sehr lange Fruchtknoten ... wirklich sehr außergewöhnliche Erscheinungen!

Letztendlich war es doch noch nicht die letzte Begehung, denn manchmal kommt noch etwas ganz besonderes zum Schluss. 2016 entdeckte Herr Manfred Lesch eine xDactylitella am selben Berg, bei der jedoch entgegen den bekannten Funden das Fuchs-Knabenkraut als eine der Eltern vermutet wurde. Eigene, sehr aufwendige Nachsuchen im darauffolgenden Jahr blieben jedoch erfolglos. Heuer dann die große Überraschung, denn die Hybride konnte neuerlich am bekannt gegebenen Fundort aufgefunden werden und mittlerweile erfolgte auch die Bestätigung, dass es sich um eine xDactylitella tourensis, der Kreuzung zwischen dem Fuchs-Knabenkraut und dem gewöhnlichen Kohlröschen handelt! So kann ich diesen Bilderblock von den Orchideen der Berge mit drei Aufnahmen dieser ebenso wundervollen wie seltenen Hybride abschließen.

Faszinatur, 17.06.18

Manchmal entdeckt man im scheinbar unscheinbaren das außergewöhnliche! Wie im Fall einiger sehr kleiner Gewässerflächen in einem Feuchtgebiet. Bei näherer Betrachtung offenbaren sich Farben, wie man sie natürlichen Ursprungs nicht vermuten würde. Es handelt sich hierbei um winzige Details der Kahmhaut, einem Biofilm aus Mikroorganismen. Gebildet wird sie vor allem durch Hefepilze und sauerstoffabhängige Bakterien (Quelle: Wikipedia). Eisenbakterien dürften manchen von euch vielleicht ein Begriff sein. Für mich als Fotograf ein mehr als willkommenes, faszinierendes Motiv, bei dem die Farben und Formen im Vordergrund stehen ... aber seht selbst:

Naturfotograf auf Abwegen ... oder Urlaub auf Santorini, 04.06.18

Die Reisefotografie ist eigentlich nicht mein Gebiet, aber ich dachte mir, für ein paar halbwegs vorzeigbare Aufnahmen kann ich schon mal die Kamera mit in den Urlaub nehmen. Diesmal ging es mit der Familie für eine Woche auf die griechische Insel Santorini, die vor allem für die spektakulären Sonnenuntergänge - ganz besonders in der Stadt Oia - bekannt ist. Als Naturfotograf ist man ja meist allein unterwegs ... insofern war ich ehrlich gesagt geschockt, was sich bereits Stunden vor Sonnenuntergang in Oia abspielt. Tausende Menschen stehen auf jedem erdenklichen Aussichtspunkt, der sich für dieses Schauspiel bietet. Von der ganzen Insel kommen Dutzende Reisebusse und von den Kreuzfahrtschiffen, von denen täglich mindestens zwei zu sehen waren, kommen nochmal etliche hinzu. Jeder möchte seine Eindrücke zumindest am Handy festhalten und so sind an manchen Tagen die besten Plätze bereits vier bis fünf Stunden vor Sonnenuntergang von Fotografen besetzt! Obwohl es trotz dieser Massen großteils gesittet zugeht, gibt es auch hier immer wieder Menschen, denen ein Foto wichtiger als alles andere ist. Unverschämtheit und grenzenloser Egoismus sind die eine Sache, für ein Foto jedoch die riskantesten Stellen zu erklimmen und dabei sich und andere zu gefährden eine ganz andere ... glücklicherweise kann man jedoch auch in Oia Stellen finden, an denen man den Sonnenuntergang, abseits der großen Massen, entspannt genießen kann.

  • der Sonnenuntergang in Oia - ein tägliches Spektakel für tausende Touristen
  • bereits zur blauen Stunde ist der Großteil der Menschen wieder in den Bussen oder den Gassen der Stadt verschwunden
  • sehr früh am Morgen hat man die Stadt für sich allein ...
  • ... die Gassen sind dann menschenleer. Doch schon wenige Stunden später füllen die Touristen von den Kreuzfahrtschiffen die Szenerie mit Leben.
  • besonders die Höhlenwohnungen haben einen ganz eigenen Charme
  • Urlaubsfeeling pur!
  • an diese Aussicht könnte man sich gewöhnen
  • auch wenn es nicht so wirkt ... das Bild ist exakt ausgerichtet. Gerade ist hier nur der Horizont ...
  • liebevolle Details zieren die Künstlerstadt Oia

Am frühen Morgen ist es deutlich ruhiger. Nur wenige Touristen, in erster Linie wiederum Fotografen, suchen besonders attraktive Aussichtspunkte auf. Doch wieder erwartet mich eine Überraschung, denn es dauert nicht lange bis auch hier Menschen aufkreuzen - meist junge Frauen oder Paare, die unmittelbar vor mir auf die Dächer vor den Sehenswürdigkeiten klettern.  Die Frauen posieren in langen, bunten Kleidern und gegenseitig werden solange Fotos gemacht, bis sie von den nächsten vertreiben werden. An jedem einzelnen Tag wiederholt sich dieser Vorgang und wieder geht es augenscheinlich ausschließlich darum, beeindruckende Fotos mit im Wind wehenden Kleidern, im schönsten Licht und direkt vor der atemberaubenden Kulisse der Stadt als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen oder in den sozialen Netzwerken damit prahlen zu können. Auf jene Menschen, die in diesen Häusern wohnen, nimmt niemand Rücksicht und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, das viele Dächer bereits Verbotsschilder oder sonstige Kennzeichnungen zur Unterlassung solcher Aktivitäten aufweisen oder manche Zugangswege als privat gekennzeichnet und somit nicht zugänglich sind.

Nichtsdestotrotz ist Santorini ein sehr beeindruckendes Fleckchen, dessen Reiz vor allem im Kontrast zwischen den weißen Häusern und dem tiefblauen Meer besteht. Die Menschen sind freundlich und das Essen in den unzähligen, kleinen Tavernen wirklich gut. Die karge Natur zeigt sich zu dieser Zeit bereits großteils in braunen Tönen und nur wenige Blumen bringen etwas Farbe in die Landschaft. Durch den permanenten Wind ist an Makro-Fotografie aber ohnehin nicht zu denken. Mit etwas Glück kann man zu den Tagesrandzeiten jedoch idyllische, menschenleere Strandabschnitte finden, die sich als willkommene Motive anbieten und so beschließe ich diesen Eintrag mit einigen solchen Eindrücken.