Herbst in den Julischen Alpen, 14.09.19

Die kühlen Temperaturen morgens und abends kündigen den nahen Herbst an. Für mich die ideale Zeit, um wieder öfter in die Berge zu gehen. Die Nähe zu den Julischen Alpen und die Gewissheit, das es reichlich lohnenswerte Motive gibt, sind Motivation genug, um den schweren Fotorucksack den Berg hinauf zu tragen. Auch die Steinböcke stehen am Programm, jedoch rechne ich mir momentan, bei den vielen Wanderern, keine allzu großen Chancen aus. Es ist faszinierend, wie schnell das Wetter in den Bergen umschlagen kann. Losgegangen bin ich bei strahlendem Sonnenschein und nur wenige, harmlose Wolken zierten den blauen Himmel. Oben angekommen stand ich im dichten Nebel, der eine Zeit lang sehr hartnäckig war. Doch wie so oft hat sich das Warten auch diesmal gelohnt! Zufrieden stehe ich dort oben und freue mich, das heute nicht nur die Waden brennen. Ein klein wenig erinnert mich die dramatische Szenerie an den Weg nach Mordor ...;  Eine Zeit lang genieße ich noch das Farbspektakel am Himmel, bevor es im Schein der Stirnlampe den langen Weg zurück hinuntergeht.

Fortsetzung Orchideen- und Makrosaison 2019, 02.09.19

Einer der Gründe, warum Orchideen für mich so faszinierend sind, ist die Tatsache, dass es immer wieder zu natürlichen Kreuzungen verschiedener Orchideen (sowohl innerhalb der Gattung, als auch mit anderen Gattungen) kommt bzw. kommen kann. Das Ergebnis sind oft wunderschöne Pflanzen, welche die Merkmale beider Eltern aufweisen ... jede für sich einzigartig! Ganz nach dem Motto: "für gewöhnlich fasziniert uns das ungewöhnliche"! Solche Pflanzen können manchmal über viele Jahre hinweg immer wieder beobachtet werden oder aber auch nur ein einziges Jahr, was das ganze Thema nicht minder spannend macht! In den letzten Jahren wurden einige außergewöhnliche Hybriden aus Österreich bekannt und auch wenn ich heuer einige davon verpasst habe und einige leider nicht mehr zur Blüte gelangten, so konnte ich dennoch auch heuer wieder ein paar ablichten.

xPseudadenia schweinfurthii, die Hybride zwischen Mücken-Händelwurz und Höswurz, ist ein solches Beispiel einer Hybride, die für gewöhnlich nicht sehr beständig ist und meist im Folgejahr schon nicht mehr vorgefunden wird. Mein Freund und ich konnten heuer gleich drei Exemplare an zwei unterschiedlichen Standorten sichten. Die abgebildete Pflanze habe ausnahmsweise mal ich gefunden ...; An der nächsten Hybride erfreuen wir uns nun bereits seit drei Jahren: eine zart gelb blühende xGymnigritella suaveolens (Mücken-Händelwurz x gewöhnliches Kohlröschen), die heuer besonders schön in Blüte stand. In dieser Färbung eine mehr als außergewöhnliche Erscheinung, die noch dazu einen idealen Standort gewählt hat!

Zeitgleich mit den Orchideen auf den Bergen wird es auch in den Wäldern noch einmal interessant. Von besonderem Interesse ist dabei der Widerbart (Epipogium aphyllum). Auch Ohnblatt (da blattlos) genannt. Der Widerbart ist eine Pflanze, die in Symbiose mit Wurzelpilzen lebt (Mykorrhiza) bzw. von diesen abhängig ist. In manchen Jahren konnten wir bis zu 400 blühende Exemplare an einem bekannten Standort zählen, heuer war es nur gut ein Viertel - wobei zu erwähnen ist, dass die Pflanze oft jahrelang nicht zur Blüte kommt!

Ein Hinweis noch in eigener Sache: da es in letzter Zeit immer wieder zu Anfragen bezüglich der Standorte einzelner Orchideen oder bestimmter Arten kommt, möchte ich ganz klar festhalten, dass ich grundsätzlich keine Fundorte an mir unbekannte Personen weiter gebe! Bei den Standorten handelt es sich meist um sehr sensible Lebensräume, die den Pflanzen nach wie vor intakte Bedingungen bieten und meist nur wenigen bekannt sind ... und das soll auch so bleiben!

Jetzt, wo sich Orchideen bereits rarmachen, bleibt auch die Zeit, sich anderen Motiven zuzuwenden. Ein sehr attraktives Motiv ist der Alpenbock, Rosalia alpina, von dem ich seit vielen Jahren sehr beständige Standorte kenne. Neben den typischen, klassischen Darstellungen faszinieren mich besonders Abbildungen, welche die Tiere in Aktion zeigen. Da diese Bockkäfer auch gute Flieger sind, standen Abflugszenen schon lange auf meiner Wunschliste. Mittlerweile hat sich die Technik der digitalen Kameras deutlich weiter entwickelt und die Kombination aus hochauflösenden Sensoren, schneller Bildreihenfolge und hohen ISO Werten ist schon mal eine vernünftige Ausgangsposition. Um sehr schnelle Verschlusszeiten zu erzielen, sind möglichst niedrige/offene Blendenwerte erforderlich. Somit liegt der Fokus hier weniger auf dem letzten Quäntchen an Schärfe (die Schärfentiefe ist bei offener Blende ohnehin minimal), als viel mehr an einer fotografisch ansprechenden Darstellung, welche die Tiere in natürlichem Licht und in unverbrauchten Situationen zeigen.

Es ist mittlerweile Anfang September und da sich die letzte Orchidee des Jahres, die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis) in Istrien offenbar noch Zeit lässt, haben wir die Zeit genutzt, um andere Motive zu suchen. Trotz gegenteiliger Wetterprognose haben wir uns im Sonnenschein auf die Suche nach Mantiden gemacht und wurden überraschenderweise auch schnell fündig. Neben der allgemein bekannten Gottesanbeterin (Mantis religiosa) fanden wir auch noch einzelne Ameles spez. (erstes Bild im Block). Besonders angetan waren wir aber von der Haubenfangschrecke (Empusa pennata), deren Nymphen wir in unterschiedlichsten Farben in bodennaher Vegetation gefunden haben. Von diesen noch sehr kleinen, flinken Tieren auch nur halbwegs ansprechende Aufnahmen zu machen, gestaltete sich jedoch deutlich schwieriger als gedacht. Einerseits haben sie die Angewohnheit, im Wind schwankende Ästchen durch wippende Bewegungen nachzuahmen, anderseits können sie erstaunlich schnell laufend und hüpfend das Weite suchen, sodass man Mühe hat, sie in der Vegetation wiederzuentdecken! Nicht nur aus diesem Grund musste ich meine Wunschvorstellung eines Porträts in Form mehrerer Aufnahmen zur Erweiterung der Schärfentiefe recht schnell wieder abschreiben! Ständiger Wind, permanente Bewegungen der Mantis und die Vorstellung eines Bildes, das etwa 1cm im Original misst, sind keine zielführenden Voraussetzungen. Letztendlich wurden es ein paar zufriedenstellende Einzelaufnahmen im Format von etwa 2:1. So habe ich auch bei entsprechendem Ausschnitt (wie im Bild) noch immer ausreichend große Daten für die meisten Verwendungszwecke. Zu unserer großen Verwunderung entdeckten wir im direkten Umfeld der Mantiden auch noch eine Stabschrecke, bei der es sich um die Mittelmeerstabschrecke (Bacillus rossius) handeln dürfte;

Mensch und Natur - Kobolde der Nacht, 13.07.19

Wenn es um das Thema "Mensch & Natur" geht, habe ich bisher vor allem von negativen Erlebnissen berichtet. Dass es aber auch sehr positive Beispiele gibt, möchte ich euch in diesem Beitrag näher bringen. Im Zuge meiner beruflichen Tätigkeit war ich offensichtlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn während des Gesprächs mit meinem Kunden hatte ich irgendwie das Gefühl, das er über mich hinwegsieht ... und das im wahrsten Sinne des Wortes! Wenig später folgte die Aufklärung insofern, als das direkt über mir Siebenschläfer (Glis glis) unterwegs waren. Siebenschläfer sind eigentlich nachtaktiv und somit den meisten von uns wohl nur aus Büchern bekannt. Wie sich im Laufe des Gesprächs herausgestellt hat, war das kein einzigartiges Erlebnis. Das Gegenteil ist der Fall, die Schläfer kommen zu bestimmten Tageszeiten unter dem Dach hervor und lassen sich auch von den anwesenden Besuchern in keinster Weise stören. Obwohl sie nicht gefüttert werden, scheinen sie sich hier ausgesprochen wohl zu fühlen ... aber seht selbst:

Es ist schon ein außergewöhnlich schönes Erlebnis, solche Tiere aus nächster Nähe, völlig stressfrei erleben zu können und jenen Mitmenschen zu verdanken, die in den Tieren kein Problem, sondern eine Bereicherung sehen! Für mich persönlich eines der bisher schönsten Beispiele für einen respektvollen Umgang mit diesen liebenswerten Nagern! Aufnahmetechnisch gibt es sehr viel Ausschuss, da Blitzlicht bei diesen lichtempfindlichen Tieren nicht infrage kommt ... da man aber nicht wirklich schnell reagieren muss, hat man mehr als genug Zeit, um auch richtig scharfe Aufnahmen zu bekommen. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch ... ob nun mit, oder ohne Kamera!