Fortsetzung Orchideen- und Makrosaison 2019, 02.09.19

Einer der Gründe, warum Orchideen für mich so faszinierend sind, ist die Tatsache, dass es immer wieder zu natürlichen Kreuzungen verschiedener Orchideen (sowohl innerhalb der Gattung, als auch mit anderen Gattungen) kommt bzw. kommen kann. Das Ergebnis sind oft wunderschöne Pflanzen, welche die Merkmale beider Eltern aufweisen ... jede für sich einzigartig! Ganz nach dem Motto: "für gewöhnlich fasziniert uns das ungewöhnliche"! Solche Pflanzen können manchmal über viele Jahre hinweg immer wieder beobachtet werden oder aber auch nur ein einziges Jahr, was das ganze Thema nicht minder spannend macht! In den letzten Jahren wurden einige außergewöhnliche Hybriden aus Österreich bekannt und auch wenn ich heuer einige davon verpasst habe und einige leider nicht mehr zur Blüte gelangten, so konnte ich dennoch auch heuer wieder ein paar ablichten.

xPseudadenia schweinfurthii, die Hybride zwischen Mücken-Händelwurz und Höswurz, ist ein solches Beispiel einer Hybride, die für gewöhnlich nicht sehr beständig ist und meist im Folgejahr schon nicht mehr vorgefunden wird. Mein Freund und ich konnten heuer gleich drei Exemplare an zwei unterschiedlichen Standorten sichten. Die abgebildete Pflanze habe ausnahmsweise mal ich gefunden ...; An der nächsten Hybride erfreuen wir uns nun bereits seit drei Jahren: eine zart gelb blühende xGymnigritella suaveolens (Mücken-Händelwurz x gewöhnliches Kohlröschen), die heuer besonders schön in Blüte stand. In dieser Färbung eine mehr als außergewöhnliche Erscheinung, die noch dazu einen idealen Standort gewählt hat!

Zeitgleich mit den Orchideen auf den Bergen wird es auch in den Wäldern noch einmal interessant. Von besonderem Interesse ist dabei der Widerbart (Epipogium aphyllum). Auch Ohnblatt (da blattlos) genannt. Der Widerbart ist eine Pflanze, die in Symbiose mit Wurzelpilzen lebt (Mykorrhiza) bzw. von diesen abhängig ist. In manchen Jahren konnten wir bis zu 400 blühende Exemplare an einem bekannten Standort zählen, heuer war es nur gut ein Viertel - wobei zu erwähnen ist, dass die Pflanze oft jahrelang nicht zur Blüte kommt!

Ein Hinweis noch in eigener Sache: da es in letzter Zeit immer wieder zu Anfragen bezüglich der Standorte einzelner Orchideen oder bestimmter Arten kommt, möchte ich ganz klar festhalten, dass ich grundsätzlich keine Fundorte an mir unbekannte Personen weiter gebe! Bei den Standorten handelt es sich meist um sehr sensible Lebensräume, die den Pflanzen nach wie vor intakte Bedingungen bieten und meist nur wenigen bekannt sind ... und das soll auch so bleiben!

Es ist mittlerweile Anfang September und da sich die letzte Orchidee des Jahres, die Herbst-Drehwurz (Spiranthes spiralis) in Istrien offenbar noch Zeit lässt, haben wir die Zeit genutzt, um andere Motive zu suchen. Trotz gegenteiliger Wetterprognose haben wir uns im Sonnenschein auf die Suche nach Mantiden gemacht und wurden überraschenderweise auch schnell fündig. Neben der allgemein bekannten Gottesanbeterin (Mantis religiosa) fanden wir auch noch einzelne Ameles spez. (ersten drei Bilder im Block). Besonders angetan waren wir aber von der Haubenfangschrecke (Empusa pennata), deren Nymphen wir in unterschiedlichsten Farben in bodennaher Vegetation gefunden haben. Von diesen noch sehr kleinen, flinken Tieren auch nur halbwegs ansprechende Aufnahmen zu machen, gestaltete sich jedoch deutlich schwieriger als gedacht. Einerseits haben sie die Angewohnheit, im Wind schwankende Ästchen durch wippende Bewegungen nachzuahmen, anderseits können sie erstaunlich schnell laufend und hüpfend das Weite suchen, sodass man Mühe hat, sie in der Vegetation wiederzuentdecken! Nicht nur aus diesem Grund musste ich meine Wunschvorstellung eines Porträts in Form mehrerer Aufnahmen zur Erweiterung der Schärfentiefe recht schnell wieder abschreiben! Zu unserer großen Verwunderung entdeckten wir im direkten Umfeld der Mantiden auch noch eine  Mittelmeerstabschrecke (Bacillus rossius) und es sollte nicht die letzte gewesen sein;

 

Mensch und Natur - Kobolde der Nacht, 13.07.19

Wenn es um das Thema "Mensch & Natur" geht, habe ich bisher vor allem von negativen Erlebnissen berichtet. Dass es aber auch sehr positive Beispiele gibt, möchte ich euch in diesem Beitrag näher bringen. Im Zuge meiner beruflichen Tätigkeit war ich offensichtlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn während des Gesprächs mit meinem Kunden hatte ich irgendwie das Gefühl, das er über mich hinwegsieht ... und das im wahrsten Sinne des Wortes! Wenig später folgte die Aufklärung insofern, als das direkt über mir Siebenschläfer (Glis glis) unterwegs waren. Siebenschläfer sind eigentlich nachtaktiv und somit den meisten von uns wohl nur aus Büchern bekannt. Wie sich im Laufe des Gesprächs herausgestellt hat, war das kein einzigartiges Erlebnis. Das Gegenteil ist der Fall, die Schläfer kommen zu bestimmten Tageszeiten unter dem Dach hervor und lassen sich auch von den anwesenden Besuchern in keinster Weise stören. Obwohl sie nicht gefüttert werden, scheinen sie sich hier ausgesprochen wohl zu fühlen ... aber seht selbst:

Es ist schon ein außergewöhnlich schönes Erlebnis, solche Tiere aus nächster Nähe, völlig stressfrei erleben zu können und jenen Mitmenschen zu verdanken, die in den Tieren kein Problem, sondern eine Bereicherung sehen! Für mich persönlich eines der bisher schönsten Beispiele für einen respektvollen Umgang mit diesen liebenswerten Nagern! Aufnahmetechnisch gibt es sehr viel Ausschuss, da Blitzlicht bei diesen lichtempfindlichen Tieren nicht infrage kommt ... da man aber nicht wirklich schnell reagieren muss, hat man mehr als genug Zeit, um auch richtig scharfe Aufnahmen zu bekommen. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch ... ob nun mit, oder ohne Kamera!

Fortsetzung Orchideensaison 2019, 15.06.19

Es ist Juni geworden. Durch die nasse und kühle Witterung im Frühling sind die Blühzeiten sehr schwer vorherzusehen. Manche Arten blühen deutlich später, andere kommen trotz der Umstände recht zeitig zur Blüte und bei einzelnen Arten, wie z. B. Anacamptis pyramidalis, die in den letzten Jahren an einigen Plätzen in Massen vorgekommen sind, gibt es heuer verhältnismäßig wenige zu sehen. Für meine Lieblingsorchidee, eine besondere Variation der Bienenragwurz (Ophrys apifera var. tilaventina) war heuer aber ein sehr gutes Jahr! Von der Individuen Anzahl konnten wir mehr als je zuvor zählen und erstmals fand mein Freund eine Stelle, an der einige dieser ansonsten sehr hoch wachsenden Orchidee, nur etwa 12-15 cm hoch waren. Somit eine ideale Möglichkeit, erstmals mehr als nur Detailaufnahmen zu realisieren! Neben den Orchideen gibt es immer wieder Gelegenheiten, unterschiedlichste Bewohner der herrlichen Wiesen zu fotografieren und manchmal wird man auch Zeuge "kleiner" Dramen, wie im Fall der offensichtlich sehr fleißigen Biene ...

Die nächste Orchidee ist in mehrerlei Hinsicht etwas ganz besonderes! Der violette Dingel (Limodorum abortivum) ist an sich bereits eine sehr seltene Orchidee. Blühende Exemplare zu finden jedoch ein absoluter Glücksfall! So konnte ich in Kärnten innerhalb der letzten fünf Jahre zwar immer wieder (teils sehr stattliche) Pflanzen in Knospe finden, diese wurden jedoch braun, noch bevor sich die Blüten geöffnet haben! Offenbar benötigt diese Pflanze ganz spezielle Witterungseinflüsse, damit sich ihre wundervollen Blüten öffnen. In Kroatien haben wir Dutzende Pflanzen entdeckt, bei denen in einzelnen Knospen immer wieder kleine Löcher ersichtlich waren. Wie sich später herausgestellt hat, werden diese von kleinen Ameisen genutzt und sterben ab. So haben wir auch hier, trotz intensiver Suche, noch nie ein wirklich ansehnliches Exemplar vor unsere Linsen bekommen! Heuer, hat es aber glücklicherweise zumindest für ein paar Detailaufnahmen gereicht, auch wenn die Umstände alles andere als optimal waren!

Mittlerweile ist das halbe Jahr vorbei und Orchideen finden sich (fast) nur noch auf den Bergen. Im Gegensatz zum Frühling brachte der Juni gleich mehrere Hitzerekorde. Nun ist es zu trocken und das wirkt sich unweigerlich auf die Vegetation und somit auch auf die Orchideen aus. Vielfach sind sie sehr kleinwüchsig und die Blühzeit ist innerhalb weniger Tage vorbei. Glücklicherweise gibt es auf den Bergen aber reichlich andere Motive und ein ganz besonders attraktives ist der Apollofalter (Parnassius apollo). Während die Falter etwas weiter im Süden in den ersten Juli Tagen bereits zum Großteil abgeflogen sind, steht hier die Hauptflugzeit erst bevor. Durch einen glücklichen Zufall fand ich einen gerade erst geschlüpften Falter und konnte das Aufpumpen der Flügel filmen - für mich ein absolutes Highlight, dies in der Natur erleben zu können! Eine weitere Pflanze, die schon lange auf meiner Wunschliste stand, ist die Schopfige Teufelskralle (Physoplexis comosa). Wieder einmal hatte mein Freund den richtigen Riecher und so konnten wir einen sehr vielversprechenden Standort besuchen. Auch wenn der überwiegende Teil der Pflanzen bereits lange verblüht ist, konnte ich zumindest erste Aufnahmen realisieren.