VTNÖ Wettbewerbsplatzierungen 2021, 07.11.21

Obwohl ich in erster Linie für mich selbst fotografiere und auch mein "Drang", mich mit meinen Bildern an Wettbewerben zu beteiligen von Jahr zu Jahr geringer wird, freut es mich natürlich dennoch, wenn eines (oder mehrere) meiner Bilder bei einem Wettbewerb Beachtung finden!

Aktuell darf ich verkünden, das zwei meiner Aufnahmen im VTNÖ Wettbewerb zum Österreichischen Naturfotografen des Jahres 2021, als "Highlight" prämiert wurden!

 

Kategorie Vögel: Highlight - "Blickkontakt"

Neuerlich habe ich diese Aufnahme einem Freund zu verdanken, denn ohne seine Info hätte ich von diesem Auerhahn nichts mitbekommen. Vielen Dank Albert! An diesem frühen Morgen machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Balzplatz, den er im Vorfeld bereits mehrfach besucht hatte. Ich habe mir keine großen Hoffnungen gemacht, denn die Landschaft hat massiv unter den Stürmen im Vorjahr gelitten. Abgesehen davon habe ich meinem Freund versprochen, die Aufmerksamkeit des Hahns auf mich zu lenken, damit auch er in Ruhe Aufnahmen von diesem herrlichen Tier umsetzen kann. Mittlerweile kann ich das Verhalten der Tiere gut einschätzen und obwohl sich der Auerhahn während der Bodenbalz immer wieder auf kürzeste Distanz näherte, zeigte er keinerlei gesteigertes, aggressives Verhalten. So habe ich die Nähe für formatfüllende Portraits genutzt und glücklicherweise waren trotz der bescheidenen Lichtverhältnisse auch einige scharfe Aufnahmen dabei. Bereits drei Tage später war von dem Hahn nichts mehr zu sehen. So blieb es bei dieser einen Gelegenheit und ein paar wenigen Aufnahmen, die mich immer wieder an dieses herrliche Erlebnis erinnern werden.

 

Kategorie Säugetiere: Highlight - "Alpenglühen"

Durch die weltweiten Covid-Einschränkungen bin ich die letzten beiden Jahre kaum einmal zu den Steinböcken in die Julischen Alpen gekommen. An diesem Tag im Herbst habe ich jedoch die offenen Grenzen für eine Wanderung genutzt. Bei der Ankunft am Parkplatz herrscht noch finstere Nacht. Glücklicherweise sind nur wenige PKW vor Ort, denn die Covid Situation hat deutlich mehr Menschen in die Berge gebracht. Manchmal sogar deutlich mehr, als eigentlich zuträglich wären ...;  Im Schein der Stirnlampe beginnt der Aufstieg bei recht zapfigen Temperaturen. Nach einer guten Stunde färbt sich bereits der Himmel im Bereich des Horizonts und mittlerweile kann ich auf die Stirnlampe verzichten. Immer wieder hört man kleine Steinchen, die über die steilen Felsen fallen und ich halte Ausschau nach den Verursachern. Vereinzelt sind Steingeise und ihre Jungen zu sehen und so entstehen die ersten Aufnahmen. Ich gewinne langsam an Höhe und die Sonne beleuchtet bereits die ersten Gipfel. Diese Aufnahme ist der Neugier eines Jungtieres zu verdanken, das sich im richtigen Moment und an günstiger Stelle positionierte, um den schwerfälligen Zweibeiner etwas näher zu begutachten ...;

 

Herzliche Gratulation auch an alle anderen Gewinner dieses Wettbewerbes und allzeit "gut Licht"!

Urbane Natur, 20.09.21

Als Naturfotograf hat man oft so seine Vorstellungen, wie der Lebensraum unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt auszusehen hat. In der Realität entspricht dies jedoch meist dem Wunschdenken und wahrscheinlich auch einer idealisierten, nicht zuletzt durch eine Vielzahl an hervorragenden Aufnahmen beeinflußten Wahrnehmung. Gerade in Österreich, wo die Verbauung der Grünflächen ein oftmals erschreckendes Ausmaß erreicht hat, kommt man um urbane Lebensräume einfach nicht umhin. Doch wenn man sich erstmal darauf einlässt, wird man erstaunt sein, wie spannend und umfassend dieses Thema sein kann!

Ein typisches Beispiel hierfür sind die Feldhamster in Wien. Inmitten der Großstadt besiedeln sie Parkanlagen, Gärten und auch Friedhöfe. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Lebensräumen, die großteils der maximal gewinnorientierten Landwirtschaft zum Opfer gefallen sind,  gibt es in diesen (übrig gebliebenen) urbanen Lebensräumen zumindest derzeit noch stabile Populationen.

Endlich Frühling, 01.03.21

In diesem Jahr ist scheinbar wirklich nichts normal! Nach den starken Niederschlägen im Winter und einer,  selbst in der Landeshauptstadt, fast zwei Monate langen, geschlossenen Schneedecke, nimmt der Frühling bereits in den letzten Februar Tagen ordentlich Fahrt auf! Insofern ist es auch nicht verwunderlich, das zu dieser Zeit bereits die ersten Wiesen-Kuhschellen in Blüte stehen. Eine Woche später ist auch der Auwald voller Frühlingsknotenblumen und an geschützten Stellen sind die ersten Hundszahnlilien bereits erblüht! Wenn man in so einem Wald, mit tausenden Frühlingsknotenblumen steht, kann es durchaus schwerfallen, ein geeignetes Motiv zu finden. Manchmal sieht man einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr! Zum meteorologischen Frühlingsbeginn zeigte der Winter noch einmal ordentlich auf. Schneefall und frostige Temperaturen über mehrere Tage hinterliesen deutliche Spuren an den Frühblühern, schafften aber auch die Gelegenheit, für nicht alltägliche Aufnahmen!

Mittlerweile ist es Ende März. Im Gegensatz zu den östlichen Bundesländern dominieren bei uns nach wie vor die braunen Farben der vorjährigen Vegetation. Bei den Hundszahnlilien gibt es aufgrund der Witterung der letzten Tage nur sehr wenig Auswahl an ansehnlichen Pflanzen. Die relativ hohen Temperaturen sorgen aber für reichlich Nachschub an den schattigeren Plätzen. Das Wetter hat sich offensichtlich noch nicht entschieden, ob nun eher Frühling, oder doch noch Winter herrscht. Anfang April gab es mehrfach Schneefälle und die Temperaturen waren wieder im Keller. Während die letzten Hundszahnlilien blühen, entdeckt man, mit etwas Glück, in den höchsten Regionen des Buchenwaldes sehr heimliche Bewohner dieses Lebensraumes. Ein Schwarzspecht hat hier seine Höhle gezimmert. Top Aussicht und Morgensonne, daran findet auch sein Weibchen ganz offensichtlich Gefallen ... bei soviel Aufregung kann man dann schon mal umkippen! In der zweiten Aprilhälfte zeigen sich zaghaft die ersten Blätter, das Wetter bleibt jedoch wechselhaft und unterkühlt. Ungeachtet dessen schreitet die Brut der Schwarzspechte unbeeindruckt voran und mit dem frischen Laub auf den Bäumen ergeben sich wundervolle Möglichkeiten. Ich nutze jede freie Minute, um diese genialen Möglichkeiten entsprechend in Bildern festzuhalten und genieße die wundervollen Momente, auch wenn es sich lediglich um jeweils wenige Sekunden der Beobachtung handelt! 

In dieser Zeit habe ich sehr viel über die Biologie der Schwarzspechte gelernt. Beide Partner brüten, Nachts jedoch immer das Männchen. In den frühen Morgenstunden löst das Weibchen den Partner ab. Solange die Jungen noch nicht geschlüpft sind, herrscht erstmal Ruhe für die nächsten zweieinhalb bis drei Stunden! Die Brutablöse geht völlig lautlos vonstatten und nach wenigen Sekunden ist bereits nichts mehr zu sehen. Sind die Jungen erst mal geschlüpft, verkürzt sich der Zeitraum der Ablöse auf etwa eineinhalb Stunden. Während der ersten acht Tage werden die Jungen gehudert, danach fliegen die Altvögel die Höhle nur noch zum Füttern an und im Zuge dessen wird auch der Kot der Jungvögel abseits der Höhle entfernt. Aufnahmetechnisch nicht gerade einfache Voraussetzungen, obwohl dieses Paar sehr tolerant ist! Auch wenn sich alles auf den Brutbaum beschränkt, gibt es immer wieder neue Möglichkeiten. Anderes Licht, andere Blickwinkel und Ausschnitte und noch so vieles, das ich gern auf den Chip bringen würde. In Anbetracht der wenigen Anflüge bei brauchbarem Licht freue ich mich über jede gelungene Aufnahme! Aber auch diese Tage sind leider gezählt. Das Wetter scheint gegen mich zu sein, denn gerade jetzt gibt es ungewöhnlich viel Regen. Bald schon werden die Jungvögel die Höhle verlassen und irgendwann ist es ein Abflug ohne Wiederkehr (zumindest mal für dieses Jahr).

Deutlich später als im Vorjahr blühten auch lang ersehnte Orchideen im Osten von Österreich und diesmal hat es endlich geklappt. Sowohl im Bezug auf den Zustand der Blüten, als auch (nach Stunden des Wartens) mit dem Wetter. Die kurze Phase mit brauchbarem Licht reichte leider nicht mal ansatzweise für die Vielzahl an Motiven, aber so ist es nun mal und über die entstandenen Aufnahmen kann ich mich wahrlich nicht beschweren. Neben einer unglaublichen Gruppe der Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) beeindruckte vorallem die Hybride zwischen der Hummel-Ragwurz und der Fliegen-Ragwurz (Ophrys x devenensis)! Es ist mittlerweile bereits Ende Mai und das nächste Highlight habe ich neuerlich einem Freund zu verdanken, denn ohne seine Info hätte ich nichts davon mitbekommen! Vielen lieben Dank Albert! Auch in diesem Jahr ergab sich die Möglichkeit, einen Auerhahn zu fotografieren. Mittlerweile kann ich das Verhalten der Tiere recht gut einschätzen und so die Möglichkeiten zum Fotografieren abwägen. Leider gibt das Umfeld auf Grund massiver Sturmschäden nicht viel her, aber es ergaben sich dennoch Möglichkeiten, die im Vorjahr an einem anderen Standort nicht gegeben waren und so enstanden Aufnahmen, die jene des Vorjahres perfekt ergänzen! In den frühen Morgenstunden hält sich der Hahn in den wenigen, verbliebenen Bäumen in der Nähe des Balzplatzes auf. Meist auf Fichten, manchmal aber auch auf den deutlich lichteren Lärchen. Noch lange bevor die Sonne die ersten Flächen des gegenüberliegenden Hanges erreicht, findet sich der Hahn auf seinem Balzplatz ein und im Zuge dessen nähert er sich teilweise auf kürzeste Distanz, jedoch ohne jegliches Aggressionsverhalten! Sicher trägt auch das richtige Verhalten dazu bei, aber das sind die Momente, in denen ich ganz genau weiß, warum ich bereits um drei Uhr morgens aus meinem warmen Bett krieche! Es ist einfach faszinierend und ich fühle mich als Teil der Natur! Fotografisch ergeben sich dadurch Möglichkeiten für außergewöhnliche Portraitaufnahmen, die man in freier Natur nicht erwarten würde. Zu meinem großen Bedauern war der Hahn bereits drei Tage später nicht mehr auffindbar. Neuerlich gibt es viel Regen und so entstanden die Aufnahmen einiger besonderer Orchideen (Dactylorhiza x ruppertii = Hybride zwischen Breitblättrigem Knabenkraut und Holunder Knabenkraut, Neottia cordata Herz-Zweiblatt und zwei besonders intensiv rot gefärbten Neotinea ustulata Brand-Knabenkraut (mit zusammenlaufenden roten Flecken) bei eher bescheidenen Lichtverhältnissen.