Toskana 2020, 12.10.20

Heuer ist Reisen ja generell schwierig und nachdem wir in den letzten Monaten alle geplanten Aufenthalte im Ausland stornieren mussten, haben wir nun die Gelegenheit genutzt, um zumindest ein paar Tage in der Toskana verbringen zu können. Bei herrlichem, fast sommerlichem Wetter (inklusive heftiger Regenschauer), war selbst das Baden im Meer noch angenehm! Fotografisch habe ich insgeheim auf Nebel am Morgen gehofft, dieser Wunsch wurde mir aber leider nicht erfüllt. Dafür gab es einige, schöne Stimmungen ... aber seht selbst! Am Tag der Heimreise hatten wir drei Jahreszeiten an nur einem einzigen Tag: Sommer in der Toskana, Herbst in Oberitalien und Winter im Kanaltal (mit Schneefall bis über die Grenze) ... was für ein Empfang.

Die Balz des Auerhahns, 01.08.20

Im Bergwald kann man im Frühjahr mit viel Glück ein absolutes Highlight beobachten. Es ist schon eine gefühlte Ewigkeit her, das ich die Balz des Auerhahns miterleben durfte, doch mit ein wenig Unterstützung wurde mir dieser Wunsch ein weiteres Mal erfüllt. Vielen lieben Dank!

Grundsätzlich hat man ja in der Tierfotografie das Problem, das man nicht nahe genug an seine Motive herankommt und lange Telebrennweiten unumgänglich sind. In diesem konkreten Fall bestand jedoch das größte Problem darin, zumindest etwas Distanz zu gewinnen! Sobald der Hahn ein Geräusch im Umfeld des Wanderweges wahrgenommen hatte, startete er zielorientiert darauf zu und verfolgte die Wanderer entweder zu Fuß, oder aber im Flug! Das ist schon ein beeindruckendes Erlebnis, wenn ein Vogel dieser Größe in vollem Tempo auf einen zukommt! War man dann nicht schnell genug außer Reichweite, wurde man regelrecht fixiert. Glücklicherweise beruhigte sich der Hahn, sobald man reglos stehen blieb. Es erforderte aber durchaus Überwindung, das erstmal zu probieren, schließlich hatte ich bei meinen letzten Begegnungen, vor fast fünfzehn Jahren, ganz andere (schmerzhafte) Erfahrungen gemacht!

Solche Möglichkeiten hat man nicht oft und so habe ich den Standort mehrmals aufgesucht. Ich konnte bei unterschiedlichsten Witterungsverhältnissen fotografieren und entgegen meinen kühnsten Vorstellungen sowohl Porträts, klassische Aufnahmen, dynamische Aufnahmen und sogar einige, tolle Weitwinkelaufnahmen umsetzen. Aufgrund der ungewöhnlichen Voraussetzungen wurden Brennweiten von 20 bis 300 mm verwendet.

Immer wieder hört man von verhaltensauffälligen Auerhähnen und da diese Hähne den Menschen nicht meiden, oft sogar geradewegs auf diese zusteuern, kann es durchaus zu gefährlichen Situationen kommen. Der mächtige Schnabel des Auerhahns ist nicht zu unterschätzen und auch mit den Schwingen können solche Hähne kraftvoll zuschlagen. Somit sind Konflikte leider oft vorprogrammiert und die Lebenserwartung solcher Hähne ist nicht allzu lange. In diesem konkreten Fall schien der Hahn diese Zeit jedoch sehr gut überstanden zu haben!

Orchideenjahr 2020, 28.07.20

Im Bezug auf die Orchideen ist dieses Jahr eines, das sich von vielen anderen unterscheidet. Die Trockenheit hat massive Auswirkungen auf die Pflanzen, was sich sowohl in geringerer Anzahl, als auch durch Kleinwuchs deutlich bemerkbar macht. Auch die Tatsache, das die Blühzeit von Jahr zu Jahr früher beginnt, setzt sich heuer nahtlos fort. Leider gilt selbiges für den Lebensraumverlust der Orchideen, es ist einfach zum Heulen!

Da heuer die Möglichkeit für Reisen in unsere Nachbarländer weggefallen ist, beginnt die Saison mit dem Kleinen Knabenkraut (Anacamptis morio), vereinzelt mit sehr schönen, farblichen Variationen und einer interessanten Spielform. Beinahe gleichzeitig sind auch die ersten, blühenden Exemplare vom Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina) zu finden. Anhand der beiden Aufnahmen sieht man deutlich, wie unterschiedlich die Situation, je nach Standort, sein kann. Einerseits einzelne, sehr kleinwüchsige Pflanzen und glücklicherweise eben auch genau das Gegenteil! Noch extremer war es im Osten. Die Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica) hat bereits Anfang Mai den Höhepunkt der Blühzeit überschritten (somit drei Wochen früher als im Vorjahr) und so finden sich bei unserem Ausflug nur noch sehr wenige, ansehnliche Pflanzen. Zur selben Zeit ist auch auf den Bergen schon einiges zu finden: Kleines Knabenkraut, Holunder-Knabenkraut, Manns-Knabenkraut, Dreizähniges Knabenkraut und auch das Brand-Knabenkraut, sowie die Hybride (Neotinea x dietrichiana) der beiden, letztgenannten Arten, welche auf dem nächsten Bild abgebildet ist.

Mit Mai haben sich die Witterungsverhältnisse völlig geändert. Es regnet sehr oft und die Temperaturen sind auch nur unterdurchschnittlich ... das hat sich auch den ganzen Juni nicht mehr geändert. Somit gibt es wiederum große Verschiebungen in der Blühzeit, besonders auf den Bergen. Zwischenzeitlich habe ich aber dennoch die eine oder andere Orchidee fotografiert. Das langblättrige Waldvöglein (Cephalanthera longifolia) ist im Grunde genommen eine sehr häufige Art, diese einzelne Pflanze bildet jedoch gelbe statt weiße Blüten aus! In den Wäldern blüht bereits die unscheinbare Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis), die im ersten Anschein einer bereits verblühten Pflanze entspricht. Besonders gefreut habe ich mich über die Aufnahmen der äußerst seltenen Liparis nemoralis. Eine unscheinbare, grünblütige Orchidee, die ein sehr kleines Verbreitungsgebiet in Norditalien und einer lokal äußerst begrenzten Stelle in Osttirol aufweist. Durch den vermehrten Regen der letzten beiden Monate bildeten sich in diesem Jahr sehr ansehnliche Pflanzen aus und glücklicherweise hat an diesem Tag auch das Wetter mitgespielt.

Im Zuge eines sehr netten Nachmittags mit bekannten Fotografen konnte ich noch Anfang Juli eine Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) an einem bestens bekannten Berg fotografieren. Für das Steineralpen-Kohlröschen (Nigritella lithopolitanica) ist es eigentlich bereits zu spät. In schattigeren, kühlen Lagen konnten jedoch vereinzelt noch blühende Pflanzen gesichtet werden. Bei der nächsten, in zartem Rosa blühenden Orchidee, handelt es sich um eine Hybride zwischen dem Fuchs Knabenkraut und dem Steineralpen-Kohlröschen (xDactylitella alto-ovirensis = Dactylorhiza fuchsii x Nigritella lithopolitanica), welche 2018 in Kärnten erstmals in Form dieser einzelnen Pflanze gefunden und beschrieben wurde. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist dies die einzig bekannte Pflanze dieser Art! In den Bergen ist es gerade richtig interessant und an allen bekannten Spots blühen jetzt die Orchideen! So auch die natürliche Kreuzung zwischen der wohlriechenden Händelwurz und dem gewöhnlichen Kohlröschen (xGymnigritella heufleri = Gymnadenia odoratissima x Nigritella rhellicani), die wir auch im aktuellen Jahr in großer Anzahl und in den unterschiedlichsten Farbnuancen besichtigen konnten. Das knallige Rot der nächsten Orchidee ist keineswegs Photoshop geschuldet! Bereits seit einigen Jahren können wir einzelne Hybriden in dieser signalroten Farbe bestaunen und selbst im Gelände sind diese Pflanzen von weitem zu sehen! Bisher wagte sich jedoch noch niemand, diese Pflanzen zu bestimmen (im Umkreis von wenigen Metern kommen sowohl das gewöhnliche, als auch das zweifarbige Kohlröschen vor ...).

Es geht weiter auf den Bergen und ein Highlight jagt das nächste! Die Hybride zwischen der Mücken-Händelwurz und dem gewöhnlichen Kohlröschen (xGymnigritella suaveolens = Gymnadenia conopsea x Nigritella rhellicani) konnte in beachtlicher Anzahl festgestellt werden. An einer Stelle präsentierte sich diese Hybride unmittelbar neben einer Farbvariation vom gewöhnlichen Kohlröschen (Nigritella rhellicani). Doch auch inmitten der bunten Alpenflora ergeben sich herrliche Motive! Nachdem im Vorjahr alle bekannten Fundstellen der Hybride zwischen dem Breitblättrigen Knabenkraut und dem gewöhnlichen Kohlröschen (xDactylitella berninaensis = Dactylorhiza majalis x Nigritella rhellicani) vergeblich abgesucht wurden, konnten heuer gleich drei Pflanzen festgestellt werden, was uns angesichts der Seltenheit dieser Kreuzung besonders gefreut hat! Am selben Berg fand mein Freund, erstmals bereits vor zwei Jahren, noch eine ganz besondere Farbvariation vom gewöhnlichen Kohlröschen (Nigritella rhellicani). Nachdem sie im Vorjahr ausgelassen hat, war die Freude umso größer, sie heuer ausgiebig fotografieren zu können!

Doch das war noch nicht alles! Auch die Hybride zwischen dem Fuchs Knabenkraut und dem gewöhnlichen Kohlröschen (xDactylitella tourensis = Dactylorhiza fuchsii x Nigritella rhellicani) konnte heuer wieder am bekannten Fundort bestätigt werden! Sehr kurzfristig ergab sich noch eine tolle Gelegenheit, zwei für mich neue Arten in Bayern zu fotografieren. Mein Freund wurde von einem Freund seinerseits eingeladen und so hatte ich die Gelegenheit, zwei sehr nette Menschen kennenzulernen und einen spannenden Tag in Deutschland zu verbringen. Vielen Dank für die Gastfreundschaft! Erstmals sah ich die Sommer-Drehwurz (Spiranthes aestivalis) in der Natur und obwohl viele davon den idealen Blühzeitpunkt bereits überschritten hatten, fanden sich dennoch einzelne, tadellose Exemplare, um erste Aufnahmen dieser Art zu realisieren. Das Highlight schlechthin war aber die wohl schönste Epipactis. Die Hybride zwischen der Rot-Ständelwurz und der Sumpf-Ständelwurz (Epipactis x pupplingensis = Epipactis atrorubens x Epipactis palustris). In einer beeindruckenden Gruppe von sieben Pflanzen präsentierte sich diese Orchidee im besten Zustand und da uns auch das Wetter gnädig war, konnten wir alle schöne Aufnahmen umsetzen. Nochmals vielen herzlichen Dank, es hat mich wirklich sehr gefreut!

Vereinzelt sind auch noch hübsche Exemplare der Sumpf-Ständelwurz (Epipactis palustris) zu sehen. Ab Mitte Juli blüht der Widerbart (Epipogium aphyllum) als eine der letzten Orchideen im Jahr. Nur zwei Orchideen blühen in unseren Breiten noch später. Einer der bekannten Standorte eignet sich besonders gut zum Fotografieren, da die Orchideen an einigen Stellen völlig frei auf dem kargen, steinigen Boden im Fichten/Buchenwald wachsen, aber auch mitten im flächendeckenden Moos der angrenzenden Bereiche. Mitte des Monats war die Anzahl noch recht überschaubar und um schöne Exemplare in ansprechendem Umfeld abzulichten, musste man schon ein wenig suchen. Bis Ende des Monats konnten aber wieder über vierhundert Pflanzen gezählt werden und auch wenn schöne Gruppen die Ausnahme blieben, fanden sich natürlich noch einige, besonders fotogene!